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I m Jahr 2005 feierte das Tambour-Corps
Neheim seinen 80. Geburtstag. Ein runder Geburtstag ist immer ein Anstoß,
einen Rückblick in die Vergangenheit zu werfen, nämlich in die
Vereinsgeschichte.
Üblicherweise wird dann ein Vereinsmitglied
beauftragt, eine Chronik des Vereinslebens zu erstellen. Ich habe gerne
diese Aufgabe übernommen, als ich noch nicht wusste, wie spärlich die
Dokumente waren, auf die ich zurückgreifen konnte. So standen mir
lediglich die Festschriften der Jahre 1955 und 1975, die Festrede unseres
Ehrenvorsitzenden Willi Terlohr aus dem Jahr 1990, einige Zeitungsartikel
und Fotos sowie mündliche Berichte von langjährigen Mitgliedern zur
Verfügung. Erst ab 1992, nachdem der jetzige Tambourmajor Martin Scheffler
den Vorsitz des Corps übernommen hatte, wurden regelmäßig Protokolle über
die Vereinsversammlungen und Vorstandssitzungen geführt, so dass der
Chronist des Jahres 2025 dann zumindest über die Jahre ab 1992 aufgrund
von dann vorliegenden Unterlagen ein lückenloses Bild über das
Vereinsleben anfertigen kann.
Das genaue Gründungsdatum des Tambour-Corps
Neheim ist nicht bekannt, auch nicht die Namen der Gründungsmitglieder.
Entstanden ist das Tambour-Corps Neheim aus dem damaligen Katholischen
Jünglingsverein der Ne heimer Pfarrei St. Johannes Baptist. Der eigentliche
Motor der Gründung und Betreuer der Gründungsjahre war der Präses des Katolischen Jünglingsvereins Vikar Josef Neuwöhner (Bild links). Franz
Engelbracht und Fritz Reuter werden auch immer zu den Gründungsvätern
gezählt. Mit der Führung des Corps wurden Heinrich Lamberty (gen. Vater
Lamberty) (Bild rechts) und Josef Schwetschenau als 1. Tambourmajor
beauftragt.
Das älteste noch vorhandene Vereinsfoto stammt aus dem
Jahre 1932. Die dort abgebildeten Spielleute dürften wohl auch zu den
Gründungsmitgliedern gezählt werden. Einzelheiten aus den ersten 8 Jahren
des Bestehens sind nicht bekannt. Den Unterlagen ist zu entnehmen, dass
das Corps an vielen Tambourwettstreiten teilnahm und zu den Preisträgern
zählte. Wie noch heute marschierten die Schützen und Jäger nach den
Klängen des Tambour-Corps im Zusammenspiel mit der unvergesslichen
Stadtkapelle unter der Stabführung von Stadtkapellmeister Tonius Pröpper.
Das Jahr 1933, das den Beginn der dunkelen Zeit
in Deutschland markierte, bedeutete auch für den Spielmannszug das
vorläufige Ende. Die braunen Machthaber duldeten keine Vereine außerhalb
ihres Einflussbereiches, insbesondere, wenn diese Verbindungen kirchliche
Wurzeln hatten. Auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges hielt der Tod
auch unter den Mitgliedern des Tambour-Corps reiche Ernte. Josef Luckei,
Josef Fürstenberg, Willi Schulte, Albert Schmidt, Karl Schwetschenau,
Willi Burgardt und Josef Stöber wurden Flöte und Trommel für immer aus den
Händen gerissen.
Vier Jahre nach dem Zusammenbruch des
„tausendjährigen" Reichs stellten die Männer, die in die Heimat
zurückgekehrt waren, ein neues Corps auf. Aufgrund der Tatsache, dass kein
Vereinsvermögen vorhanden war, stieß die Beschaffung von Instrumenten und
Uniformen auf große Schwierigkeiten. Die Schützenbruderschaft St. Johannes
Baptist leistete hier mit der Bereitstellung einer nicht unerheblichen
Geldsumme Schützenhilfe. Als Gegenleistung spielte das Tambour-Corps drei
Jahre ohne Entgelt auf den Schützenfesten. 1. Tambourmajor war für einige
Monate Willi Hoffmann, (Bild links) dem für 15 Jahre Franz Wichmann (Bild
rechts) folgte. 1965 übernahm Hermann Sommer den Stab. Aber schon 1966
folgte der heutige Ehrenvorsitzende und Ehrentambourmajor Willi Terlohr.
Als die altbewährten Spielleute nach und nach
aus Altersgründen und Tod ausfielen, wurden die Reihen immer dünner, so
dass der Spielbetrieb 1970 eingestellt wurde.
Willi Terlohr ist es zu verdanken, dass das
Tambour-Corps Neheim in diesem Jahr sein 80-jähriges Jubiläum feiern kann.
Er wandte sich an die Jungend der Stadt und schon bald konnte mit ca. 30
Jugendlichen die Probearbeit wieder aufgenommen werden. Auch dieser
Wiederaufbau gestaltete sich nicht leicht. Neue Uni formen, Instrumente und
Noten mussten beschafft werden. Wie Willi Terlohr dies alles bewältigt
hat, mag sein Geheimnis bleiben. Nicht einmal er selbst wird wissen, wie
viele Stunden er für unser Corps in seiner Freizeit geopfert hat. Ihm
besonders zur Seite standen damals Friedel Boberg, Franz Kalle und Walter Biendara. 1972 war der erste Auftritt im Kolpinghaus Neheim bei der
Karnevalsgesellschaft Blau-Weiß. Dieser war ein großer Erfolg. Auch unter
Willi Terlohr wurden zahlreiche Wettstreite mit sehr guten Platzierungen
absolviert.
G eprobt wurde von 1949 – 1962 in der noch heute
bestehenden Gaststätte „Deutsches Haus" in der Apothekerstraße. Der
Gastwirt Kaspar Post (Post’s Käppe) gewährte den Spielleuten Gastrecht.
Weitere Probestätten waren von 1962 – 1966 die Gaststätte „Peter Müller",
von 1967 – 1972 die Gaststätte „Haus Sonnenschein" und von 1973 – 1988 die
Gaststätte „Quast" in der Möhnestraße.
I n einer Aktivenversammlung 1978 beschlossen die
Mitglieder des Vereins zukünftig auch Frauen als aktive Mitglieder
aufzunehmen. Heute sind unsere Damen aus unserem Corps nicht mehr
wegzudenken.
Im Jahr 1979 nahm das Corps eine Single-Schallplatte
auf mit den Titeln: „Mein Regiment", „Mit Sang und Klang", „Locke" und
„Preußens Gloria". 1986 schlossen das Tambour-Corps Neheim und die
Königliche Harmonie Beveren (Belgien) ein Freundschaftsabkommen in
Anwesenheit des Arnsberger Bürgermeisters Alex Paust. 1988 war das Jahr,
das für den Verein eine Zäsur bedeutete. Die Proberäume wurden in den
Stadtteil Moosfelde verlegt. 1998 wurde ein Proberaum in der Gaststätte
„Treffpunkt" komplett renoviert und ausgestaltet und steht seitdem bis
heute dem Verein ausschließlich für seine Zwecke zur Verfügung.
N achdem
1992 Martin Scheffler als 1. Vorsitzender und Tambourmajor die Führung des
Tambour-Corps übernommen hatte, wurden neue Uniformmützen und Sommerwesten
angeschafft.
Die Aktivitäten beschränkten sich auch weiterhin nicht nur auf den
heimatlichen Raum. Regelmäßig unternahm das Corps Fahrten auch in
das europäische Ausland, so 1992 nach Schottland in die Stadt Linlithgow,
Partnerstadt von Neheimer Schulen, nach Bexley, die Partnerstadt unserer
Heimatstadt Arnsberg, nach Frankreich, Belgien und Dänemark. Die
musikalischen Auftritte begeisterten die Zuhörer. So leistete das
Tambour-Corps Neheim auch seinen Beitrag zur Völkerverständigung.
S eit einigen Jahren bemüht sich der
Spielmannszug auch um die musikalische Weiterbildung seiner aktiven
Mitglieder. 18 Mitglieder haben bisher über den Volksmusikerbund den
D1-Lehrgang (Grundlehrgang für das Musizieren nach Noten) erfolgreich
besucht.
Insbesondere die Jugendarbeit hat sich das
Tambour-Corps zur Aufgabe gemacht. Dazu wurde eigens das Vorstandsamt
eines Jugendwartes geschaffen. Mit den Jugendlichen wird somit nicht nur
geübt, sondern es werden auch vielfältige andere Aktivitäten unternommen,
wie z.B. gemeinsame Fahrten, Besuch von Freitzeitparks,
Sportveranstaltungen usw.
 I m Jahre 1999 entschloss sich die
Mitgliederversammlung die Vereinsspitze wieder auf 2 Personen zu
übertragen: Vorsitzender ist bis heute Jürgen Dobbert, Tambourmajorin war
bis 2001 seine Ehefrau und Kassiererin Jutta Dobbert. Ab 2001 ist Martin
Scheffler wieder als Tambourmajor für die Stabführung verantwortlich.
S eit September 2003 nutzt das Tambour-Corps auch
das zukunftsorientierte und heute nicht mehr wegzudenkende Medium
Internet. Hier können seit der Veröffentlichung immer die neuesten Termine
und Informationen rund um den Verein abgerufen werden.
I m Jahr 2004 stiftete die Arnsberger
Johannes-Freimaurerloge „Westphalia zur Eintracht" auf meinen Vorschlag
als Alt- und Ehrenstuhlmeister dem Corps wetterfeste Regenjacken. Getreu
einem vorrangigen Ziel des Freimaurerbundes, finanzielle Hilfe für
gemeinnützige Zwecke zu leisten, wollte die Loge mit ihrer Spende dem
Corps ihre Anerkennung für seine Arbeit zum Wohle der Jugend der Stadt
Arnsberg zum Ausdruck bringen.
F ür den Menschen bedeuten 80 Jahre ein ganzes
Leben, für einen Verein die ersten Jugendjahre. Deshalb bedeuten die
nächsten Jahre nicht Stillstand, sondern das Bewältigen neuer Aufgaben.
Wie alle Vereine hat auch das Tambour-Corps Neheim Nachwuchssorgen.
Jugendliche und Erwachsene sind nicht mehr, wie in der Vergangenheit,
bereit, einen Teil ihrer Freizeit für einen Vereinszweck zu opfern,
insbesondere wenn dies mit einer körperlichen und geistigen Anstrengung
verbunden ist.
U m sich auch der Jugend der Neheimer Innenstadt zu öffnen, plant
der Verein die Probenarbeit in das „Deutsche Haus" zu verlegen. Die
Probenarbeit in Moosfelde hat dazu geführt, dass das Tambour-Corps Neheim
eher als ein Stadtteilverein Moosfelde betrachtet wird. Um zu zeigen, dass
das nicht der Fall ist, will der Verein seinen Sitz wieder in die Neheimer
Innenstadt verlegen, wie es auch bis 1988 war.
Es ist gewiss, dass die Neheimer Bürgerschaft dies mit
Freude zur Kenntnis nehmen wird.
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